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Die Geschichte der Schweizer Grand-Hotels

Warum entstanden in wenigen Jahrzehnten um 1900 so viele fast baugleich ambitionierte Luxushotels in den Schweizer Bergen und an ihren Seen?

Historische Postkartenansicht eines Schweizer Grandhotels mit Turmarchitektur, Bergpanorama im Hintergrund, sepiafarbene Stimmung

Eine neue Hotelkategorie

Vor rund 1870 bestand die Schweizer Beherbergung überwiegend aus Pensionen und Gasthöfen — kleineren, oft familiengeführten Häusern ohne durchgehende Heizung oder eigene Bäder. Mit dem wachsenden Wohlstand des europäischen Bürgertums und des britischen Adels entstand eine Nachfrage nach etwas Neuem: eigens für zahlungskräftige Reisende gebaute Grossbauten mit technischem Komfort, der damals selbst in Stadtwohnungen nicht selbstverständlich war. Diese neue Kategorie nannte man "Palace" — ein Name, der ein Versprechen war, keine Übertreibung: Zentralheizung, elektrisches Licht, hydraulische oder elektrische Aufzüge und private Bäder mit warmem Wasser in jedem Zimmer.

Historischer Speisesaal eines Belle-Époque-Grandhotels mit gedeckten Tischen und Kronleuchtern

César Ritz und der moderne Luxushotel-Gedanke

Der im Walliser Niederwald geborene Hotelier César Ritz gilt als einer der prägendsten Namen dieser Entwicklung. Zusammen mit dem Koch Auguste Escoffier setzte er neue Standards für Service, Küche und Diskretion, die über die Schweiz hinaus in Paris und London wirkten und seinen Namen bis heute mit gehobener Hotellerie verbinden. Auch wenn nicht jedes der in diesem Führer beschriebenen Häuser direkt mit Ritz verbunden ist, prägte sein Verständnis von Luxus als Verlässlichkeit statt blossem Prunk die ganze Branche jener Zeit.

Warum ausgerechnet diese vier Orte

St. Moritz, Montreux, Interlaken und Zermatt hatten jeweils einen konkreten, unterschiedlichen Standortvorteil: St. Moritz die Höhenlage und trockene Winterluft, die Johannes Badrutts Wette 1864 erst plausibel machte; Montreux das milde Seeklima; Interlaken die Lage zwischen zwei Seen mit Zugang zu den Berner Alpen; Zermatt die unmittelbare Nähe zum Matterhorn nach dessen Erstbesteigung 1865. Der Bauboom der Grand-Hotels folgte diesen bereits vorhandenen natürlichen Anziehungspunkten, nicht umgekehrt.

Was davon heute noch stimmt

Von den in diesem Führer genannten Häusern ist Badrutt's Palace bis heute unabhängig und in Familienbesitz — eine Ausnahme, da die meisten historischen Grand-Hotels inzwischen zu internationalen Hotelgruppen wie Fairmont (Montreux Palace) gehören. Die Victoria-Jungfrau in Interlaken firmiert heute unter der Victoria-Jungfrau Collection, die mehrere historische Häuser der Region vereint. Die ursprüngliche technische Ausstattung ist selbstverständlich längst modernisiert, die Gebäudehüllen und ein Grossteil der Gesellschaftsräume stehen jedoch bei allen genannten Häusern unter Denkmalschutz oder werden zumindest denkmalgerecht erhalten.